Die Info-b auf den BetonTagen 2022

Gleich mit zwei Foren war die Informationsgemeinschaft Betonwerkstein e.V. (Info-b) auf den diesjährigen Ulmer BetonTagen vertreten. Neben innovativen gestalterischen Lösungen, die mit Betonwerkstein realisiert wurden, ging es dabei auch um den Beitrag der Betonwerksteinbranche zum heute immer wichtigeren Thema der „Öffentlichen Mobilität“. 

Vieles war neu auf den Ulmer BetonTagen 2022: Vom Termin bis hin zum Veranstaltungsort. Konstant geblieben ist jedoch die Mitwirkung der Info-b, die auch in diesem Jahr zeigen konnte, dass es sich bei Betonwerkstein um einen besonders leistungs- und zukunftsfähigen Werkstoff handelt. Dies nicht zuletzt auch unter dem Aspekt „Nachhaltiger Bauen mit Beton“ – dem Leitmotiv der diesjährigen Ulmer Veranstaltung.    

Innovative Lösungen in Betonwerkstein

Im Fokus des ersten, von Info-b Vorstandsmitglied Dipl.-Bau-Ing. Dipl. Wirtsch.-Ing. Martin Möllmann moderierten Forums standen „Innovative Lösungen in Betonwerkstein“. Ein Beispiel hierfür ist der vom Stuttgarter Büro Wittfoht Architekten konzipierte Neubau des Finanzamts Karlsruhe. Geprägt wird das Gebäude durch die rationale und klar anmutende Optik der Architekturbetonfassade aus Betonfertigteilen.  Mit letzteren ließ sich die von den Architekten gewünschte Präzision und Scharfkantigkeit hervorragend realisieren. Den Auftrag für Herstellung, Lieferung und Montage der aus Außenschale und tragender Innenschale bestehenden Fassade erhielt die Firma Dreßler Bau aus Stockstadt am Main. Wie mit den Ansprüchen an die Optik auch die Anforderungen an die Planung steigen, dies machte Dipl.-Ing. Werner Hochrein von der Dreßler Bau GmbH in seinem Vortrag mit dem Titel „Tragende Betonfassaden an der Machbarkeitsgrenze“ deutlich. So kann eine Machbarkeitsgrenze schon die Planung der Elemente werden. Zudem erfordern stark profilierte Fassadenelemente einen speziellen Transport und ein ganz eigenes Handling. Aber auch die Produktion der Elemente war, wie der Referent anhand eindrucksvoller Vortragsbilder belegte, nicht nur in handwerklicher Hinsicht eine Herausforderung. Dennoch ist für Werner Hochrein das Karlsruher Projekts, „ein Vorzeigebeispiel ob der Zusammenarbeit aller Beteiligten – vom Architekten über den Tragwerksplaner bis hin zum Prüfingenieur und der TU Kaiserslautern“.  

Die Referenten zu den „Innovativen Lösungen in Betonwerkstein“ (von links): Christian Bechtoldt und Werner Hochrein. Rechts Martin Möllmann, Vorstandsmitglied der Info-b und Moderator der Ulmer Veranstaltung.

Um das Ausloten von Grenzen des Baustoffs Beton ging es auch im zweiten Vortrag, den Bau.-Ing. Christian Bechtoldt von der Dyckerhoff GmbH in Vertretung von Christian Egenter von der Villa Rocca GmbH aus Viernheim hielt. Schon mit dem Titel „diva concrete – Vielfalt und Persönlichkeit der Werkstoffdiva Betonwerkstein in der Innenarchitektur“ sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass Beton eine „Diva“ ist, bei der alles Handwerkliche sitzen muss. Für das Unternehmen Villa Rocca bedeutet daher Perfektion, das Beste aus Beton herauszuholen und trotzdem der Diva ihren Raum zu lassen. Vor allem mit selbstverdichtendem Beton sind der Formgebung keine Grenzen mehr gesetzt und innovative Bewehrungen wie beispielsweise Carbon- und Textilbeton erlauben zunehmend schlankere Ausführungen.  Welch perfekte Ergebnisse dabei herauskommen – dies zeigten eindrucksvoll die in Ulm präsentierten Beispiele aus dem Hause Villa Rocca. Sie reichten von spektakulären künstlerischen und sakralen Objekten über modernes Innendesgin im Küchen-, Bad und Wohnbereich bis hin zu farblich abgestimmten Betonböden und der Gestaltung des kompletten Eingangsbereichs einer Akademie mit Bodenplatten, Präsentationskuben und einer Sitzlounge. 

Urbane Infrastruktur als wichtige Zukunftsaufgabe

Dass der Betonwerkstein über viele Facetten verfügt – dies machte auch der Ulmer „Zukunftstag Bauwirtschaft“ deutlich. Mit der „Urbanen Infrastruktur“ wurde dabei ein ganz neues Thema aufgegriffen. Da aktuell rund 77% der Bevölkerung in Deutschland in Städten und Ballungsgebieten leben – so Martin Möllmann in seinen einleitenden Moderation – ergeben sich speziell im Nahverkehr wachsende Mobilitätsanforderungen, die es möglichst optimal zu lösen gilt. 

Sie referierten beim Zukunftstag Bauwirtschaft zur „Urbanen Infra-struktur“ (von links): Jörg Bayer, Dr. Klaus Stärker, Andreas Rau und Martin Möllmann.

Mit der TSB-Magnetschwebebahn konnte Andreas Rau, Leiter Produktmanagement Transport System bei Max Bögl, ein besonders zukunftsorientiertes Verkehrsprojekt für den urbanen Raum vorstellen bei dem, so der Referen, der „Nahverkehr neu gedacht“ wird. Der Grundgedanke dabei ist, dass die Verkehrssysteme der Zukunft nicht nur nachhaltige Fahrzeuge, sondern auch die dazu passende moderne und nachhaltige Infrastruktur benötigen. Zur effizienten Errichtung einer solchen Infrastruktur empfiehlt sich die Realisierung als schlankes, vorgefertigtes und voll ausgerüstetes Betonfertigteil. Dies ermöglicht im urbanen Bereich eine flexible und ästhetische Trassenführung. Für Streckenlängen im Nahbereich ist dabei die Produktion in Zentralwerken sinnvoller als lokale Produktionseinrichtungen. Am Beispiel des Transportsystems Bögl (TSB) und dessen bereits angedachten und geplanten Einsatzmöglichkeiten konnte der Referent zeigen wie schon heute die Infrastruktur für die Verkehrswege von morgen ihren Beitrag zur Flächen- und Ressourcenschonung leisten kann. 

Betonwerkstein für die Kanzler-Linie in Berlin

Von der Zukunft zurück in die Gegenwart führten Martin Möllmann und Dr.-Ing. Klaus Stärker von der Betonwaren GmbH (BeWa) aus Duisburg, mit ihren Ausführungen zu „Betonwerkstein für die Kanzler-Linie in Berlin“, dem Lückenschluss der U-Bahn Linie 5 vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz in Berlin. Im Fokus stand dabei zunächst die Station „Rotes Rathaus“ und deren Architektur, Konzeption und Ausführungsplanung. Wie Martin Möllmann anhand spannender und informativer Videos zeigen konnte, bilden neben den für den Entwurf des Architekten Oliver Collignon typischen „Pilzkopfstützen“ auch schwarze und weiße Platten in Terrazzooptik das zentrale gestalterische Element der gesamten Wände im Bahnsteigbereich. Ein Plan, der sich, so Dr. Stärker, zunächst noch relativ simpel anhörte, in der praktischen Umsetzung jedoch schon bald seine ganz speziellen Tücken offenbarte. Schnell war klar, dass auf Grund der Geometrie des Bahnhofs von den rund 3.500 benötigten Parallelogrammförmigen Gesamtfassadenplatten rund 1.000 Stück als individuelle Einzelstücke geplant werden mussten, die jeweils nur an eine ganz bestimmte Stelle passten. Mit der Produktion der Wandplatten beauftragt wurde das Unternehmen BNB Beton und Natursteine Babelsberg GmbH. Das Schneiden und Schleifen erfolgte in einer Mischung aus aufwändiger Handarbeit und automatisiertem CNC-Schnitt bzw. Schliff. Dabei waren 20 Arbeitsschritte für jedes der Betonwerksteinelemente erforderlich. Ähnlich hoch wie an die Fertigung der Platten waren auch die Anforderungen an die abschließende Montage. Sie wurde in Form einer vorgehängten und hinterlüfteten Fassade von der Betonwaren GmbH (BeWa) aus Duisburg durchgeführt.Bilden beim Bahnhof „Rotes Rathaus“ die Wände ein zentrales Gestaltungselement, so waren es beim von den Architekten Ingrid Hentschel und Prof. Axel Oestreich geplanten Bahnhof „Unter den Linden“ die Böden, die im Fokus standen. Wie Betonsteinmeister Jörg Bayer von der R. Bayer Betonsteinwerk GmbH aus Blaubeuren in seinem Vortrag zeigte, wurden auf den Bahnsteigen „Gestaltungsböden in Terrazzo“ verbaut. Zum Einsatz kam dabei mit Terraplan ein monolithisches Betonbodensystem, welches auf Grund seiner feinen und ebenen Oberfläche sowie seinen großen fugenarmen Feldern optisch dem klassischen Terrazzo sehr ähnlich ist. Das Material wird im Transportbetonwerk gemischt und im Fahrmischer auf die Baustelle gebracht. Dort lässt er sich mit Hilfe moderner Maschinentechnik schnell und wirtschaftlich einbauen. Nach dem Einbringen und Glätten härtet der Boden aus, anschließend erfolgt der Schliff mit speziellen Maschinen. Eine besondere Herausforderung bestand bei dem Berliner Objekt darin, das Material über die drei Stockwerke des Bahnhofs zu pumpen und auf den rund 130 Meter langen Bahnsteigen zu verteilen. Dazu waren mehrere Pumpstationen erforderlich. Teilweise musste der Betontransport auch händisch erfolgen. Wichtige Forderungen waren auch Rutschsichersicherheit der Böden sowie Blindenleitstreifen an den Bahnsteigen. Um die von den Architekten angestrebte Helligkeit des gesamten Raumes zu unterstützen, wurde der Terraplanboden auf Basis von Weißzement hergestellt. Die Oberfläche wurde feingeschliffen ausgeführt. Der gesamte Einbau des ebenso schönen wie strapazierfähigen Terraplanbodens auf einer Fläche von insgesamt 5.000 m² erfolgte durch die Firma R. Bayer Betonsteinwerk aus Blaubeuren – wobei der Einbau teilweise unter laufendem Betrieb stattfand.