Feuerwache Karlsruhe: Innovatives Konzept bewährt sich in der Praxis

Nach rund achtmonatigem Betrieb hat sich die neue Karlsruher Feuerwache bestens bewährt. Dies gilt insbesondere für das Konzept der neuen Fahrzeughalle, die als erste in Deutschland vollständig durchfahrbar ist. Aber auch ihre markant gestaltete Gebäudehülle aus Liapor-Leichtbeton ist dank ihrer Robustheit und Beständigkeit optimal für den Feuerwehreinsatz geeignet.

Nach rund achtmonatiger Nutzung fällt das Fazit zur Praxistauglichkeit der neuen Fahrzeughalle aus Liapor-Leichtbeton eindeutig aus: „Das Gebäude und der Baustoff an sich haben sich sehr gut bewährt, und auch das Feedback der Feuerwehr als Nutzer ist durchweg positiv“, berichtet Florian Schramm vom Stuttgarter Architektenbüro Harder Stumpfl Schramm. Das Büro konzipierte das Objekt als eigenst ndigen, bis zu sechsgeschossigen Bauk rper, der zusammen mit der ebenfalls neu errichteten Integrierten Leitstelle ein markantes Gesamt-Ensemble entlang der Wolfartsweierer Straße bildet. Der Gebäudeteil auf dieser Seite bildet quasi den räumlichen Rücken für die große, begrünte Fahrzeughalle auf der anderen Seite der Feuerwache. Deutschlandweit einzigartig ist die Halle dadurch, dass sie über zwei zentrale Tore komplett durchfahrbar ist. Alle Einsatzfahrzeuge können so direkt in Formation über die eine Ausfahrt ausrücken und nach dem Einsatz über das andere Tor wieder einfahren.

Klare Entscheidung für den Baustoff

Genauso einzigartig wie das Drive-through-Prinzip der 8,25 Meter hohen Fahrzeughalle ist auch der Baustoff, aus dem sie und der benachbarte, 30 Meter hohe Schlauchturm bestehen: Liapor-Leichtbeton in Sichtbetonklasse 2. „Die Entscheidung für den Liapor-Leichtbeton ist das Resultat eines relativ langen Entwurfsprozesses, wobei unser Favorit immer der Leichtbeton war. Er passte unserer Meinung nach am besten zum Charakter des Geb udes und ist auch hinsichtlich seiner Robustheit und Dauerhaftigkeit sehr feuerwehrtauglich“, erläutert Architekt Florian Schramm die Wahl des Baustoffs. „Die monolithische Gebäudehülle trägt gleichzeitig zur Erfüllung der wärmedämmtechnischen Anforderungen bei und stellt eine hochwertige, wartungsarme Oberfläche dar.“

LeichtbetonstÄrken zwischen 30 und 60 Zentimeter

Konkret wurde die Fahrzeughalle in sechsmonatiger Rohbauzeit aus rund 700 Kubikmetern LC30/33D1.4 errichtet. Die Leichtbetonstärke beträgt in weiten Teilen der Gebäudehülle 60 Zentimeter. Wo jedoch aus Gründen der erh hten Erdbebensicherheit und der Statik die Außenwand als Verbund mit einer inneren, 30 Zentimeter tragenden Stahlbetonschale ausgebildet ist, liegt sie bei 30 Zentimetern. „Der leichtverdichtbare Leichtbeton wurde in der Konsistenzklasse F5 verarbeitet und erfüllt somit die bauphysikalischen Anforderungen an die Wärmeleitfähigkeit ebenso wie die betontechnologischen Anforderungen an die Einbauqualität und Dauerhaftigkeit“, erklärt David Dreher vom mbl Mineral- und Betonlabor, das für die Rezepturentwicklung zuständig war. Als Baustoffhersteller und -lieferant fungierte die peterbeton R. Peter GmbH & Co. KG, Kies- und Betonwerke in Baden-Baden, die Bauausführung übernahm die Lang Bau GmbH & Co. KG in Ettlingen. Bauherr war das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe.

Individuelles Reliefbild

Im Inneren von Halle und Schlauchturm weisen die Sichtbetonfl chen eine ebene, plane Oberfläche auf. Ihr  äußeres Erscheinungsbild wurde dagegen ganz individuell ausgestaltet: „Beim Schlauchturm sowie der Hallenfassade kam eine vertikal durchlaufende Strukturschalung aus Betonplanplatten zum Einsatz. Diese wurden an die Innenseite der  äußeren Schalung genagelt, um eine vertikale Struktur mit verschiedenen Breiten herzustellen“, erklärt Florian Schramm. Bei den Betonplanplatten handelt es sich um drei Zentimeter starke Streifen in Breiten von fünf, zehn und 35 Zentimetern. Auf zehn Meter Wandlänge finden sich etwa 15 Streifen nebeneinander. Der Abdruck der detailliert geplanten Strukturschalung verleiht den Fassaden ein markantes Reliefbild. Die Flächen wirken einheitlich strukturiert, geben im Detail ein dennoch unregelmäßiges, abwechslungsreiches Bild ab.

Lohnende Vorarbeiten

Um ein optimales Ergebnis hinsichtlich des Fassadenreliefs als auch der sonstigen Sichtbetonflächen zu gewährleisten, wurden im Vorfeld vier verschiedene, vier mal drei Meter große Musterwände hergestellt. „Derartige Vorarbeiten hatten wir jedoch von Anfang an einkalkuliert, denn mit Leichtbeton zu arbeiten, ist ein Lernprozess für alle Beteiligten“, so Florian Schramm. „Besonders herausfordernd waren hier der Eintrag und das Nachverdichten innerhalb der Strukturschalung. Auch die Ausbildung des statischen Verbundes zwischen Leichtbeton und Stahlbetontragschale war komplex, ebenso wie die Attika-Ausbildung der Halle in Sichtbeton“, so der Architekt. „Die Planungen und Vorbereitungen waren deshalb sehr intensiv, sicherten aber schon im Vorfeld die Einhaltung der optischen und statischen Vorgaben und auch des finanziellen Rahmens.“